Unser erster Hund Tolli

Tolli (1. HJ 1987 – 12. August 2002) kam eigentlich nur als Pensionsgast zu uns. Es ging meinem Vater auch weniger um den Hund als um die (wenigen) Penunzen, die er für die Unterbringung des Hundes erhalten sollte. Der Rest der Familie war (daher) auch nicht eingeweiht – und war umso überraschter, als das neue Familienmitglied dann im frühen Frühjahr 1992 plötzlich mit dem Noch-Frauchen vor der Tür stand.

Ist der Hund stumm?

Sie war die Tochter eines Lüneburger Unternehmers und stand kurz davor, aus Studiengründen nach Amerika zu fliegen. Dazu konnte sie den Hund nicht mitnehmen. Ich muss gestehen, der Rest der Familie war die erste Zeit lang nicht sehr vom Familienzuwachs angetan. Aber uns war klar, das nicht der Hund darunter leiden durfte, das man seine Obhut nicht in Absprache geregelt hatte.

Und ehrlich gesagt: Tolstoi machte es uns mit seiner Art auch nicht schwer, ihn mit der Zeit ins Herz zu schließen.

Er aber hat schon eine Weile gebraucht, um den Wechsel der Familie zu verdauen und hier heimisch zu werden. Die ersten knapp drei Monate hat er keinen Laut von sich gegeben. Wir dachten schon, unser Fellknäuel wäre stumm. Das wurde uns von der vorherigen Besitzerin aber nicht bestätigt.

Um ihm einen erneuten Wechsel zurück zu seinem alten Frauchen zu ersparen, regelten wir es nach ihrer Rückkehr so, das er bleiben durfte.

Trotzdem beobachtete er seine neue Umgebung sehr genau. Er schaute aus dem Wohnzimmerfenster auf die vorbeilaufenden Menschen und die vorbeifahrenden Fahrzeuge.

Züge waren seine Leidenschaft

Ihn konnte man u. a. damit beschäftigen, Stöckchen zu werfen. Das war eines seiner Hobbys. Ein anderes, eher seltenes Hobby war es, auf Eisenbahn-Brücken auf Züge zu warten. Es fruchtete kein gutes Zureden: Solange ein grünes Signal zu sehen und kein Zug unter ihm hindurchgefahren war, war er nicht dazu zu bewegen, das Gassi gehen fortzusetzen. Ich glaube, das er sehr gut wusste, was die Lichter an den Signalmasten zu bedeuten haben. Denn waren die Signale sowohl für die eine als auch für die andere Richtung auf Rot gestellt, wartete er keine Sekunde.

Tolli beim Stöckchen fangen
Eines von Tollis Hobbys war es, Stöckchen zu fangen

Tolli muss wohl Laufe der Jahre eine kleine Berühmtheit unter den Lokführern geworden sein. Denn mit der Zeit ließen einige der Lokführer das Signalhorn erklingen, wenn sie uns auf den Brücken im Ort zu sehen bekamen.

Er ist gerne und auch viel Gassi gegangen. Der Wald vor unserer Tür führt auf ca. 6 KM bis zu einem Ort im nächsten Landkreis. Wir sind häufig dort lang gegangen um dann an der Bahnlinie wieder zurück zu laufen.

An eine Eigenart der Collies mussten wir uns allerdings gewöhnen: Wurde es um Silvester draußen durch die Böllerschüsse laut, verkroch sich unser langhaariges Fellknäuel sogar unter dem Tannenbaum. Und er durfte einige Silvester erleben, bevor wir ihn im August 2002 erlösen lassen mussten. Er hatte mit dem Aufstehen derart große Probleme, das es keinen Sinn gemacht hätte, ihn noch länger leiden zu lassen.

Wir sind damals zu dritt mit ihm zum Tierarzt gefahren, jedoch nur ich war dabei, als er die beiden erlösenden Spritzen bekommen hat. Vom Arzt selbst waren wir – berechtigt oder nicht – enttäuscht, das er nicht mehr getan hat, als ’nur‘ die Spritzen zu setzen.

Tolli hat seine letzte Ruhestätte bei uns im Garten gefunden. Müßig zu erwähnen, das wir ihn sicher nie vergessen werden. Wir können nur hoffen, das er mit uns eben so glücklich war, wie wir es mit ihm gewesen sind. Wir sind dankbar, das wir 10 Jahre unseres Lebens mit ihm gemeinsam den Weg gehen durften.Ein Stein erinnert an unseren Tolli

Marcus
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Seit über 20 Jahren begleiten mich Hunde. Zeit, Ihnen ein kleines Denkmal zu setzen und über das zu schreiben, was ich mit Ihnen erlebe. Wer mehr über mich wissen möchte, der findet mich u. a. auch auf google+

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