Die Wahl des Hundefutters

Kann billig gut sein?

Viele Hundebesitzer geben ein Vermögen für ihren Hund aus, damit es ihm nach ihrer Ansicht nach an nichts mangelt. Es wird Hundespielzeug gekauft, (teure) Hundekörbchen und was es noch alles so an Utensilien für den geliebten Vierbeiner im Handel zu erwerben gibt. Auch die üblichen Besuche beim Tierarzt mit Impfungen und Wurmkur lässt man nicht ausfallen.

Und doch es gibt etwas, um das man sich in der Regel am wenigsten Gedanken macht und das für den Hund – genauso wie für den Menschen – doch am allerwichtigsten ist: Das Futter.

Die Hersteller überbieten sich mit Superlativen, wenn es darum geht, die tägliche Ration über den Hundebesitzer in den Napf des Hundes zu bringen. Für gerade mal etwas unter einem Euro kann man schon eine 800g Dose Hundefutter erwerben.

Doch wie weit kann es dann mit der Qualität des Futters her sein? Kann man wirklich bedenkenlos und mit gutem Gewissen solch ein Hundefutter seinem Vierbeinigen Liebling unterjubeln?

Würde man einen Blick auf das Etikett des Hundefutters werfen, würde man sich diese Frage sicher ganz schnell mit einem klaren Nein beantworten.

Bestandteile Futter A Futter B
Fleisch 8 % 62 %
Protein 7 % 11,60 %
Fettgehalt 7 % 6,5 %
Rohasche 2,5 % 1,9 %
Rohfaser 0,5 % 0,4 %
Feuchtigkeit 78 % 78 %
Calcium / Phosphor nicht angegeben 0,64 %

Wer in der Schule aufgepasst hat, kommt bei Futter A auf 95% an Inhaltsstoffen aus den angegebenen Kategorien, während es bei Futter B 99,04 % sind.

Der schlaue Betrachter fragt sich sicher, was die restlichen 5 % Bestandteile in Futter A sind. Dies sind Bestandteile, deren Anteile unterhalb der Deklarationspflicht liegen. Die Hersteller sind nur verpflichtet, Bestandteile aufzuführen, die einen bestimmten Prozentsatz überschreiten.

Bei Futter A kann dies also vieles sein, da 5 % doch schon eine ganze Menge sind – vor allem wohl Chemie, um das Futter haltbar und für den Hund einigermaßen genießbar zu machen.

Doch mal ehrlich: Würde jemand die Pampe selber essen, die er in der Dose vorfindet? Ich nicht. Allein schon der Geruch würde mich davon abhalten, weder mit der Nase noch mit dem Esslöffel dem Inhalt zu nahe zu kommen.

Eine weitere Frage, die sich sicherlich stellt, ist: Wie soll ein Hund von gerade einmal 8% Fleischanteil satt werden?

Und da liegt der Grund, weshalb sich ein höherwertiges Produkt – wie z. B. eben das Futter von REICO rechnet.

Denn auf dem Etikett des Hundefutters ist auch angegeben, wie viele Dosen von dem Produkt für Hunde der verschiedenen Gewichtsklassen empfohlen werden, damit der Hund später nicht an Mangelerscheinungen leidet.

Am Beispiel unseres Rasko (~30 KG) möchte ich einmal verdeutlichen, was das heißt. Für Hunde seiner Gewichtsklasse empfiehlt der Hersteller von Produkt A eine Tagesration von 1400 g = 1 2/3 Dosen pro Tag. Unser Hund soll also pro Tag mindestens 4,2 % seines Körpergewichtes fressen, um einigermaßen gesund zu bleiben.

Umgerechnet auf einen 80 KG schweren Menschen würde das heißen, er müsste 3,36 KG pro Tag essen…

Was das anstellen kann, dürfte jedem klar sein, oder?

Doch das ganze System hat einen Haken: Welcher Hundebesitzer gibt seinem Hund mehr als eine Dose pro Tag? Ganz sicher die wenigsten. Das muss über kurz oder lang zu Mangelerscheinungen und somit zu Krankheiten führen.

REICO indes empfiehlt für Raskos Gewichtsgruppe pro Tag eine 800 g Dose. Sie ist zwar mit 3,40 € deutlich teurer als die fast zwei Dosen von Hersteller A (umgerechnet 1,48 €), Aber da er über den Tag verteilt auch noch etwas Trockenfutter sowie Möhren und einen Apfel bekommt, erhält er nur 600 g aus der Dose – was einem Preis von 2,28 € entspricht.

Somit ist das Hundefutter von Hersteller A zwar auf dem ersten Blick wesentlich günstiger. Doch aufgrund der ungenügenden Menge an Futter, die dem Hund im Regelfall zugeführt werden dürften und den daraus resultierenden und bereits erwähnten Mangelerscheinungen, dürften die Besuche beim Tierarzt in der Regel mit der Zeit wesentlich häufiger werden – und sich damit der höhere Preis für Produkt B auf Dauer rentieren.

Denn neben der fehlenden Chemie und Konservierungsstoffe in Produkt B, sind hier auch keine Schlachtabfälle wie Euter, Krallen und ähnliches im Futter enthalten. Das Futter hat Lebensmittelniveau. Wer also plötzlich selbst Hunger haben sollte, kann hier bedenkenlos zulangen.

Anders bei Hersteller von Produkt A. Denn der ist ein großer Lebensmittelproduzent aus Verden an der Aller. Für ihn sind die Hunde- und Katzenfutter-Artikel aber eine gute Gelegenheit abgelaufene Produkte wie Riegel und überflüssige Materialien aus der Produktion, die für die eigentliche Zielgruppe nicht mehr verwendet werden dürfen über das Tierfutter doch noch loszuschlagen.

Zum Schaden von Hund und Katze.

Man sollte sich also schon überlegen, welches Futter man seinem vierbeinigen Liebling vorsetzt. Dabei sollte man aber auch bei Herstellern skeptisch werden, die einen Fleischanteil von 100% in Ihren Produkten anpreisen. Denn mehr als 100% passen nun einmal nicht in eine Dose hinein. Und so wie man hier bei Hersteller A die Frage stellen darf, was an nicht deklarierten Inhaltsstoffen in dem Futter enthalten ist, darf man bei solchen Herstellern fragen, was alles nicht in dem angeblich ja so guten Futter enthalten ist.

Marcus
Über Marcus 24 Artikel
Seit über 20 Jahren begleiten mich Hunde. Zeit, Ihnen ein kleines Denkmal zu setzen und über das zu schreiben, was ich mit Ihnen erlebe. Wer mehr über mich wissen möchte, der findet mich u. a. auch auf google+

6 Kommentare

  1. Hallo,
    Ich finde es toll, dass auch du besseres Futter für deine Hunde kaufst. Wir haben seit einem guten Jahr einen Border Collie Rüden und haben von Anfang an auf schwedisches Hundefutter mit hohem Fleischanteil gesetzt. Das hat sich auch gelohnt, denn unsere Lou hat ein wunderschönes Fell und steckt voller Energie.

    Gruss aus der Eifel
    Tom

    • Hi Tom!

      Schöner Hund, Glückwunsch!

      Ich habe mir gerade eines der Videos (so verspielt ist Lou) angeschaut. Das ist anstrengend zu gucken. Ein paar Darstellungs- und Schnittspielereien weniger wären in diesem Fall mehr gewesen.

      PS: Wenn ich das Futter vertreibe, sollte ich es auch schon füttern, oder ? 😉

  2. In den versteckten 5 Prozent sind aber leider nicht nur viel Chemie, sondern eben auch genau die Inhaltsstoffe versteckt, wegen denen man überhaupt die Lupe nimmt und nach diesen guckt. Schließlich gibt es ja auch viele Hunde mit Allergien.
    Ich muss mir wohl auch mal wieder mehr Gedanken über das Futter unseres Labradors machen. Aber ich befürchte Reico wird es hier in Spanien (noch schlimmer auf Gran Canaria) nicht geben. Manchmal nervt diese Insellage doch ein wenig sehr.

    • Hallo Bella!

      Ob Du jetzt direkt einen Berater auf der Insel finden wirt, kann ich leider (noch) nicht sagen.

      Ich kann Dir nur sagen, das REICO sicher auch auf die Insel liefern wird. Einziges Problem dürften die Versandkosten sein.

  3. Hallo Marcus,
    nein, das allergrößte Problem ist der lange Versandweg und der Zoll. Manchmal wartet man hier so schlappe drei Wochen auf gewerbliche Sendungen, und das nicht etwa auf ein Paket, nein, auf einen simplen Brief. Und wenn der Zoll noch eine Zollerklärung haben möchte, ächtz.
    Da ich nicht ständig Futter umstellen kann, brauch ich leider etwas was hier auf der Insel nahezu ständig verfügbar ist (oder ich brauch einen Anbau und muss das Futter horten).
    Aber ich bleib am Thema dran. Im Moment nehme ich jedes Futter in die Hand und versuche mit zugekniffenen Augen die Inhaltsstoffe zu entziffern …
    Viele Grüße,
    Bella

  4. Ich misstraue grundsätzlich jedem Hundefutter. Vielleicht zu unrecht. Dazu kommt, dass hochwertiges Futter schnell mal mehr kostet als Lebensmittel.
    Und dann noch der Nepp: Als Hundefutter – auch als billiges – geht ein Kilo Hühnerbrust gerne mal für 25€ über die Theke.
    Ich serviere so oft es geht Lebensmittel.

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  1. Auswirkungen der Futterumstellung › Hunde an Bord

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